PV Forum: betrieben von der überparteilichen ÖLI-UG Österreichische LehrerInnen Initiative - Unabhängige GewerkschafterInnen » Reden wir über Bildung - OeLIForum » Unterricht-Pädagogik: Fragen, Antworten, Information und Diskussion » Sexualpädagogikvereine / Antrag im Parlament
Liebe Kolleginnen und Kollegen,
es liegt ein Antrag im Parlament vor, die Sexualpädagogikvereine aus den Schulen zu verbannen. Nach berechtigter Kritik an einem Verein (Teen Star), wollen reaktionäre Kräfte die jahrelang erfolgreiche Zusammenarbeit mit externen ExpertInnen verbieten lassen.
Hoffentlich findet sich dazu keine Mehrheit im Nationalrat!
Heute gab es eine Pressekonferenz der Plattform Sexuelle Bildung. Die Petition mit einer eindrucksvollen UnterstützerInnenliste findet ihr unten.
Liebe Grüße
Uschi
Mag. Ursula Göltl
BRG 9, Glasergasse 25
http://sexuellebildung.at/aktuelles/stat...ine-in-schulen/
Auf diese Ankündigung von Uschi folgte in der ÖLI-UG folgende interessante Diskussion (in Auszügen):
Liebe KollegInnen!
Ich verstehe nicht, warum wir diese Position einnehmen sollen! Bin ich daher auch reaktionär? ;)
Sexualkunde ist ein Unterrichtsprinzip:
-> Wir wurden von unserem Dienstgeber damit beauftragt und für dafür geeignet gehalten:
Wollen wir als Gewerkschafter unsere Arbeit(-splätze) selber reduzieren?
-> Die österreichische Schule hat diesen Bildungsauftrag kostenfrei zu erfüllen!
Aus diesem sozialpolitischen Grund bin ich gegen externe Zertifikate und private Vereine/ Trainer im staatlichen Bildungswesen.
Lg LW
GP:
Schule wird von Expert*innen aller Art nur so umschwirrt, wie die Motten ums Licht.
Zahnputzfeen
Jausentanten
Bäuerinnen erklären den Bauernhof
Der Jäger erklärt das Weidwerk und seinen Hund
Expertin über: Vom Ei zur Henne oder die Eierfrau ist da
Richtig Laufen will gelernt sein. Die Laufschule kommt.
Verkehrsschule
Polizeiquiz
Lesepat*innen stellen sich vor
Die örtliche Raiffeisenbank erklärt das Geld, ihr Service und sammelt Adressen
Die Dorfvereine stellen sich vor
Die Jugendbetreuer*innen erklären die Jugendarbeit
Mobbingberatung
Suchtprävention
Gewaltprävention in Familie und Schule
Juf - Jugend und Familie erklärt den sinnvollen Umgang mit modernen Medien
Berufsorientierung durch den X-ten Gastvortrag
Benefizveranstaltung für Afrika oder Nepal mit Expertenvortrag
... auch ja und Sexualerziehung durch ... externe Expert*innen
etc, etc, etc...
MW:
Ich bin es ja, die entscheidet, zu welchem Thema ich welche externen Leute (mag man sie Expert*innen, Fachleute oder einfach Menschen von der „Welt da draußen“ nennen) zur Ergänzung meines Unterrichts in die Schule einlade.
Ich habe sie ausgewählt und ich kann mich auch in das Unterrichtsgeschehen einmischen (denn in den meisten Fällen bin ich ja dabei).
Bevormundung ist für mich, wenn mir als Lehrerin vorgeschrieben wird, wen ich zu welchem Thema einladen darf oder nicht! Das muss meine Entscheidung bleiben!!
Selbstverständlich muss das alles mit Maß und Ziel erfolgen – und kompetente Lehrer*innen und Schulleiter*innen werden natürlich darauf achten, dass aus der Fülle an Angeboten, die es heutzutage gibt, sinnvoll ausgewählt wird.
Für die Schüler*innen ist es eine Bereicherung, wenn sie auch mal von anderen Menschen als den Lehrer*innen, von denen sie tagtäglich unterrichtet werden, etwas vermittelt bekommen. (Nicht nur bei so „sensiblen“ Themen wir Sexualität).
SW:
Dem möchte ich mich anschließen. Als ich noch Ethik unterrichtete habe ich Flüchtlinge/ Immigranten (Sarajevo, Côte d‘Ivoire) eingeladen, die ihre Fluchtgeschichten erzählt haben, ich habe nur ein bisschen gedolmetscht und sonst zugehört. Oder ich war mit einer Gruppe beim Verein pro mente, wo ein Psychiater über psychische Störungen im Jugendalter sprach und den Kontakt mit einem an Schizophrenie erkrankten Jugendlichen betreute. Oder ich lud im Fach Deutsch eine Regisseurin zu einem Impro-Workshop, auf die sich die SchülerInnen mehr eingelassen haben, als sie es bei mir je getan hätten. Und vieles andere mehr. Solche Stunden waren eine nachhaltige Bereicherung. Die Auswahl habe ich aktiv und eigenständig getroffen, in Absprache mit den SchülerInnen und der Schulleitung. Ich muss das Schulheft nicht immer in der Hand halten, nur weil ich Lehrerin bin.
GB:
Schule als Teil der Gesellschaft bekommt alles umgehängt.
Alles, was wir ganz sicher allein NICHT bewältigen können und auch nicht wollen. (Siehe die umfangreiche Liste, die Gernot zur Verfügung gestellt hat).
Ich fühle mich nicht als Expertin für Sexualpädagogik, bin auch über Pornographie in allen Varianten nicht informiert - im Gegensatz zu meinen Schüler*innen.
Und ehrlich - auch wenn ich ein vertrauensvolles Verhältnis zu meinen Schüler*innen habe - ich möchte nicht darüber befragt werden, wie oft ich wöchentlich Sex habe. Das sollen die beantworten, die am nächsten Tag nicht wieder in der Klasse stehen und Englisch unterrichten!!!
Daher - wir brauchen Expert*innen und das ist gut so.
Auf der Stratseite unserer Homepage gibt's auch einen Artikel dazu mit dem Hinweis auf #redmadrüber